200-Euro-Rate: Auszahlung von Corona-Kinderbonus beginnt – DER SPIEGEL

200-Euro-Rate: Auszahlung von Corona-Kinderbonus beginnt – DER SPIEGEL

Die staatlichen Familienkassen zahlen ab diesem Montag den Corona-Kinderbonus aus. In einer ersten Rate erhalten Familien 200 Euro pro Kind. Die zweite Rate von 100 Euro soll im Oktober folgen. Insgesamt beträgt die Leistung also 300 Euro pro Kind, die zusätzlich zum Kindergeld gezahlt werden.

Wann der Kinderbonus auf dem Konto erscheint, hängt von der Endziffer der Kindergeldnummer ab. Steht dort eine Null, ist man an diesem Montag dabei. Die Endziffern 1 bis 9 werden im September nach und nach von den Familienkassen überwiesen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 18 Millionen berechtigte Kinder und junge Menschen. Auf Hartz IV und andere Sozialleistungen wird die Sonderzahlung nicht angerechnet. Die Bezieher haben tatsächlich 300 Euro extra zur Verfügung. 

Verrechnet wird sie allerdings mit dem Kinderfreibetrag bei Gutverdienern. Eltern, die eine gemeinsame Steuererklärung abgeben, haben einen Freibetrag von aktuell 7812 Euro pro Kind. Dieser Betrag wird also von dem Einkommen abgezogen, das am Ende versteuert wird – sie zahlen weniger Steuern. Wie hoch die Entlastung ausfällt, hängt von den individuellen Verhältnissen ab.

Ab gut 80.000 Euro bleibt nichts mehr übrig

Das Finanzamt vergleicht diesen Steuervorteil mit der Summe des Kindergeldes, das im selben Jahr an das Paar gezahlt wurde. Liegt das Kindergeld höher, wird der Freibetrag nicht angerechnet; ist der Vorteil aus dem Freibetrag größer als das Kindergeld, bekommen die beiden die Differenz. Tatsächlich bekommen die Steuerzahler immer die günstigere Variante, aber eben nicht beide Leistungen auf einmal.

Der Freibetrag hat die größere Wirkung bei Eltern, die pro Jahr mehr als 65.000 Euro versteuern müssen. Sie bekommen die 300 Euro also überwiesen, haben am Ende des Jahres aber mehr Steuern zu zahlen. Wer unter dieser Grenze liegt, profitiert hingegen mehr vom Kinderbonus. Darüber schwindet der Effekt allmählich mit der Höhe des Einkommens. Ab gut 80.000 Euro aufwärts bleibt nichts mehr übrig – bei einem Kind. Mit jedem weiteren Kind steigen diese Grenzen entsprechend an.

Die Linksfraktion im Bundestag kritisiert den Kinderbonus als zu gering. Die Lasten der Pandemie für Familien würden dadurch “nicht annähernd” ausgeglichen, sagte die Linkenabgeordnete Sabine Zimmermann, die den Familienausschuss des Bundestags leitet, der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, lobte den Kinderbonus indessen als “eine der klügsten Maßnahmen” des Konjunkturprogramms der Bundesregierung. Die Leistung helfe “schnell und relativ zielgenau den Familien, die jetzt in der Krise Unterstützung benötigen”, sagte Fratzscher der Düsseldorfer “Rheinischen Post”.

Der Regierung war es wohl wichtig, Geld gezielt dort zu verteilen, wo es zuverlässig ausgegeben wird. Bei Familien ist das häufig der Fall: Sie haben hohe Ausgaben, in vielen Familien wird nur ein kleiner Teil des Budgets gespart; gerade bei Alleinerziehenden oft gar nichts.

Icon: Der Spiegel