Arktis: Brände setzen Rekordmengen an Kohlendioxid frei – Spektrum der Wissenschaft

Arktis: Brände setzen Rekordmengen an Kohlendioxid frei – Spektrum der Wissenschaft

Forscher wollen nun herausfinden, wie schlimm diese arktische Feuersaison tatsächlich war. Das russische Fernüberwachungssystem für Waldbrände hat 18 591 einzelne Ereignisse in den beiden östlichsten Bezirken Russlands katalogisiert: Insgesamt sind fast 14 Millionen Hektar verbrannt, sagt Evgeny Shvetsov, ein Brandspezialist am Sukachev-Institut für Forstwirtschaft, das zur Russischen Akademie der Wissenschaften in Krasnojarsk gehört. Die meisten Brände ereigneten sich in Permafrostgebieten, wo der Boden normalerweise das gesamte Jahr über gefroren ist.

Um die rekordverdächtigen Kohlendioxidemissionen möglichst genau zu beziffern, setzten Wissenschaftler des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus Satelliten ein. Damit untersuchten sie Ort und Intensität der Brände. Anschließend berechneten sie, wie viel Material jedes einzelne Feuer vermutlich verbrannt hatte. Die Werte seien wahrscheinlich eine Unterschätzung, sagt Mark Parrington, ein Atmosphärenwissenschaftler am Europäischen Zentrum für Wettervorhersagen in Reading, Großbritannien, der an der Analyse beteiligt war. Brände in Torfgebieten können von zu geringer Intensität sein, als dass Satellitensensoren in der Lage sind, sie zu erfassen.

Zahlreiche Torfgebiete sind anfällig, da gefroren und flach

Wie stark die diesjährigen Brände in der Arktis das globale Klima langfristig beeinflussen werden, hängt davon ab, was sie verbrannt haben. Smith hat errechnet, dass etwa die Hälfte der arktischen Brände im Mai und Juni Torfgebiete betrafen und die Brände in vielen Fällen tagelang anhielten. Das deutet darauf hin, dass sie durch dicke Schichten von Torf oder anderen Böden, die reich an organischer Substanz sind, angefacht wurden.

»Was man für später erwartet hatte, geschieht bereits«
(Amber Soja, Umweltwissenschaftlerin)

Und die August-Studie ergab, dass es in den nördlichen Breiten fast vier Millionen Quadratkilometer Torfgebiete gibt. Davon ist mehr als bisher angenommen gefroren und flach – und daher anfällig dafür, aufzutauen oder auszutrocknen, sagt Gustaf Hugelius, ein Permafrostwissenschaftler der Universität Stockholm, der die Untersuchung geleitet hat. Hugelius und sein Team fanden auch heraus, dass Torfgebiete zwar seit Tausenden von Jahren zur Abkühlung des Klimas beitragen, sie aber künftig wahrscheinlich zu einer Quelle großer Mengen Kohlenstoff werden, die in die Atmosphäre gelangen. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte das geschehen.

Es gibt Szenarien, denen zufolge die Brandgefahr in Sibirien mit der Erwärmung des Klimas zunehmen wird. Doch die Zukunft sei schon jetzt zu beobachten, sagt Amber Soja, eine Umweltwissenschaftlerin, die am US National Institute of Aerospace in Hampton, Virginia, arktische Brände untersucht. »Was man für später erwartet hatte, geschieht bereits«, sagt sie. »Und in einigen Fällen schneller als gedacht.«