Corona: Die Stimmung kippt nicht – DW (Deutsch)

Corona: Die Stimmung kippt nicht – DW (Deutsch)

Die regierungskritischen “Querdenken”-Proteste in Deutschland, die zuletzt mit Bildern aus Berlin auch international für Aufsehen sorgten, scheinen nicht die Gesamtstimmung in der Bevölkerung wiederzugeben oder einen Stimmungsumschwung anzuzeigen. Zumindest sagt das der neueste Deutschlandtrend des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap. Die Umfrage wurde am 31. August und 1. September durchgeführt – also nach den jüngsten Demonstrationen in Berlin.

Mit der Arbeit der Bundesregierung sind demnach so viele Menschen zufrieden wie seit 1997 (!) nicht mehr. Genauer: 66 Prozent der rund 1000 repräsentativ Befragten sind mit der Arbeit der Regierungskoalition aus Christdemokraten (CDU/CSU) und Sozialdemokraten (SPD) zufrieden. Das ist für den Deutschlandtrend ein neuer Rekordwert. Bis auf die AfD überwiegt die wohlwollende Bewertung in allen Parteimilieus.

Und – auch das ein Rekordwert – mit der Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind jetzt 72 Prozent zufrieden. So hoch lag die Zustimmung in der laufenden Legislaturperiode seit Herbst 2017 noch nie. Der mit ihrem Corona-Krisenmanagement einsetzende Vertrauensschub für die Regierung wirkt also auch im September fort.

Was wird aus Karneval und Weihnachtsmarkt?

Die Sorge vor einer Ansteckung mit dem COVID-19-Erreger ist zurückgegangen. Sie befindet sich jetzt wieder auf dem Niveau vom Frühling und Frühsommer. Im August waren die Ängste etwas angestiegen. Das lag, sagen die Demoskopen, vermutlich an der beginnenden Rückreisewelle der Urlauber und dem bevorstehenden Schulstart nach den Sommerferien. Aktuell ist ein Viertel der Befragten in Sorge, dass sie sich selbst oder Familienmitglieder anstecken könnten.

Infografik - DeutschlandTrend 20 09 - DE

Andererseits sind die Deutschen offen für weitere Maßnahmen, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Eine Absage von Karnevalsfeiern geht nach Ansicht von 86 Prozent in die richtige Richtung. Jeweils zwei Drittel unterstützen ebenso die Einführung von Obergrenzen für Hochzeiten und andere Privatfeiern oder auch die Absage von Weihnachtsmärkten.

Infografik - DeutschlandTrend 20 09 - DE

Eher kritisch blicken die Befragten auf eine zusätzliche Maskenpflicht, wie sie zum Beispiel Frankreich für den Arbeitsplatz eingeführt hat. Das finden 55 Prozent nicht gut. Noch größer ist die Abneigung gegenüber Masken für Schulkinder im Unterricht – das lehnen 66 Prozent ab.

Wer kommt nach Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2021 sollte die Pandemie dank eines Impfstoffes eingedämmt sein, so lauten die Prognosen und Hoffnungen. Der weitere Verlauf bleibt spannend. Das gilt auch für die Frage, wer Angela Merkel nachfolgen wird. CDU/CSU haben sich noch nicht entschieden. Hier gibt es derzeit vier Kandidaten – und einen Favoriten: Markus Söder.

Der derzeitige Ministerpräsident von Bayern und Vorsitzender der CSU, der Schwesterpartei der CDU, kann seinen Vorsprung noch ausbauen – 56 Prozent. Bei den Anhängern von CDU/CSU liegt die Zustimmung sogar bei 75 Prozent. Interessant ist nur, dass Söder offiziell bislang gar nicht kandidiert, sondern immer sagt, er bleibe in Bayern. Allerdings könnte das auch Teil des politischen Spiels sein.

Infografik DT Wer folgt auf Angela Merkel DE

Deutlich an Zustimmung gewonnen – die letzte Befragung fand im Mai statt – hat Olaf Scholz (SPD). Der jetzige Bundesfinanzminister ist der bislang einzige Kandidat, der schon von seiner Partei für das Rennen um das Kanzleramt nominiert wurde. Für einen “guten Kandidaten” halten ihn 55 Prozent – plus 11 Prozentpunkte.

Bei den Grünen wird die Entscheidung nach jetzigem Stand zwischen den beiden Parteivorsitzenden fallen. In der Bevölkerung gilt Robert Habeck als der bessere Grünen-Spitzenkandidat – 42 Prozent. Annalena Baerbock betrachten 28 Prozent als gute Kandidatin.

Die Sonntagsfrage

Gestützt auf eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Regierungsarbeit bleiben die Unionsparteien in der aktuellen bundespolitischen Stimmung weiterhin stärkste Kraft. Allerdings geben CDU/CSU in der sogenannten Sonntagsfrage zum Vormonat zwei Prozentpunkte ab und liegen bei 36 Prozent.

Infografik DT Sonntagsfrage DE

Die SPD legt im selben Umfang zu – plus zwei Prozentpunkte. Mit aktuell 17 Prozent liegt sie so gut wie seit Mai 2019 nicht mehr.

Die SPD bleibt allerdings hinter den Grünen, die aktuell auf 19 Prozent kämen (+1). Die AfD schließt im Vergleich zum Vormonat leicht schwächer ab und hätte derzeit 10 Prozent in Aussicht (-1). Bei Linkspartei und FDP gab es keine Veränderung.