Corona: Folgeschäden bei leichtem Krankheitsverlauf – NDR.de

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Stand: 17.08.2020 11:25 Uhr
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Jeder zweite Covid-19-Erkrankte leidet an Husten.

Die meisten Erkrankten überstehen eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 offenbar unbeschadet. Doch nach einem leichten Krankheitsverlauf von Covid-19 sind die Betroffenen oft auch nach Wochen noch nicht vollständig genesen.

Milder Verlauf ohne Krankenhausaufenthalt

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO verlaufen rund 80 Prozent aller Sars-CoV-2-Infektionen milde. Etwa jeder zweite der von Symptomen Betroffenen leidet an Husten, 40 Prozent an Fieber – ähnlich wie bei einem grippalen Infekt, allerdings oft deutlich heftiger und länger anhaltend.

Nach einem milden Verlauf fühlen sich viele Erkrankte recht schnell wieder fit und komplett belastbar. Der Genesungsverlauf kann aber individuell sehr verschieden sein und hängt auch von möglichen Begleiterkrankungen ab. Auch bei Betroffenen mit einem milden Verlauf kommt es nicht selten zu einer Hirnbeteiligung mit Veränderungen des Geschmacks- und des Geruchssinns, die sich meist innerhalb von zwei bis drei Wochen zurückbilden. In einigen Fällen bleibt die Störung länger bestehen.

Mögliche Folgen bei leichtem Krankheitsverlauf

Nach einer Corona-Erkrankung mit leichtem Verlauf klagen einige Betroffene noch Wochen oder Monate über Beschwerden, auch wenn das Virus nicht mehr nachweisbar ist:

  • Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns
  • anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit
  • Atembeschwerden
  • Gelenkschmerzen

Woran das liegt und wie lange die Folgen bei einem leichten Krankheitsverlauf andauern können, ist bislang nicht bekannt.

Ursachen für schwere Verläufe von Covid-19

Warum die Krankheit Infizierte unterschiedlich stark trifft, wissen Ärzte nicht. Ihre Vermutungen reichen von genetischer Disposition über körperliche Fitness bis hin zur Viruslast, also der Zahl der Viren. Es gibt sogar Hinweise, dass Menschen mit der Blutgruppe A+ ein höheres Risiko auf einen schweren Verlauf haben könnten als Betroffene mit anderen Blutgruppen.

Coronavirus: Ein Fünftel der Infizierten muss ins Krankenhaus

Rund 20 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten erkranken so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Im besten Fall können sie auf einer Normalstation behandelt werden und benötigen nur etwas Sauerstoff, um die Atemnot zu lindern. Andere Betroffene brauchen mehr Sauerstoff, der über einen Plastikschlauch unter der Nase zugeführt wird. Bis sich diese Erkrankten wieder fit und leistungsfähig fühlen, vergehen mehrere Wochen.

Eine Studie aus Italien hat ergeben, dass von 142 Menschen, die mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus lagen, zwei Monate nach Genesung noch 87 Prozent an Symptomen wie Erschöpfung, Luftnot und Gelenkschmerzen litten.

Schwerer Krankheitsverlauf mit Beatmung auf der Intensivstation

Reicht eine einfache Sauerstoffgabe nicht mehr aus, werden die Betroffenen auf die Intensivstation verlegt, in ein künstliches Koma versetzt und über einen Schlauch in der Luftröhre maschinell beatmet. Doch die invasive, bei Covid-19 oft über viele Tage oder gar Wochen erforderliche Beatmung birgt Risiken.

  • Je länger die Beatmung dauert, desto schwieriger und langwieriger ist die Entwöhnung von der maschinellen Unterstützung, da der Körper die zum Atmen benötigten Muskeln sehr schnell abbaut. Gerade bei älteren Erkrankten ist es schwierig, die Muskulatur wieder aufzubauen.
  • Die Lunge reagiert empfindlich auf den Überdruck und den der Beatmungsluft zugesetzten Sauerstoff, sodass Lungengewebe irreparabel geschädigt sein kann. Auch in anderen Organen kann eine künstliche Beatmung Schäden verursachen.
  • Über die Schläuche können Bakterien in die Lunge gelangen und dort zusätzlich zur viralen auch zu einer bakteriellen Lungenentzündung führen.

Generell brauchen schwer erkrankte Covid-19-Patienten deutlich mehr Zeit für ihre Genesung als Betroffene mit anderen Lungenentzündungen.

Über Langzeitfolgen ist zudem noch wenig bekannt. Experten rechnen bei schweren Krankheitsverläufen und nach langer Beatmung mit dauerhaften Folgen wie einem verringerten Lungenvolumen. Für diese Menschen sind oft schon leichte Bewegungen so belastend wie Leistungssport.

Forscher in China haben beobachtet, dass Menschen nach schweren Krankheitsverläufen an chronischen Schädigungen des Lungengewebes (Lungenfibrosen) leiden. Auch Schäden an Nieren, Leber, Gehirn und Nervenzellen sind mögliche Folgen. Und es besteht die Gefahr von Thrombosen mit Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolie.

Genesung aufmerksam beobachten

Da noch niemand sicher weiß, zu welchen Langzeitfolgen eine Coronavirus-Infektion führen kann, sollten Ärzte Covid-19-Erkrankte nach der Genesung weiter beobachten. Denn inzwischen ist bekannt, dass Sars-CoV-2 praktisch jedes Organ befallen kann. Mitunter treten in der Rehabilitationszeit neue Symptome auf, die eine individuelle Anpassung der Reha-Maßnahmen erfordern.

Mit dem Fortschreiten der Pandemie lernen die Mediziner immer mehr über Krankheitsverläufe und Folgeschäden bei Covid-19.

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Kommissarischer Vizepräsident und Ärztlicher Direktor der Medizinischen Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
www.mhh.de

Prof. Dr. Stefan Schreiber
Direktor der Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße
24105 Kiel
(0431) 500 222 02
www.uksh.de/innere1-kiel/

Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor Klinik für Intensivmedizin
Stellv. Leiter Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
www.uke.de

Dr. Sven-Christian Birkholz, Facharzt für Innere Medizin
Lungenzentrum Stade
Pneumologisch-Allergologische Gemeinschaftspraxis
Harsefelder Str. 6
21680 Stade
(04141) 797690
www.lungenzentrum-stade.de

Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen, Fachärztin für Hämatologie, Onkologie und Fachimmunologin
Leiterin Immundefekt-Ambulanz 
Institut für Medizinische Immunologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow Kliniken
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Dieses Thema im Programm:

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