Corona in Bayern: München verschärft Maßnahmen – Süddeutsche Zeitung

Corona in Bayern: München verschärft Maßnahmen – Süddeutsche Zeitung

CSU sagt ihren Parteitag im Dezember ab

Montag, 21. September, 13.14 Uhr: Die CSU hat wie erwartet ihren Parteitag im Dezember wegen der Corona-Pandemie gestrichen – er sei wie alle Großveranstaltungen der Christsozialen “bis auf Weiteres abgesagt”, teilte Generalsekretär Markus Blume nach einer Sitzung des Parteivorstands mit. Das Treffen werde nun “komplett ersetzt” durch den rein virtuellen Parteitag, den die CSU für kommenden Samstag, 26. September, einberufen hat. Dass der Parteitag, der für den 12. Dezember angesetzt war, nicht stattfinden wird, hatte Parteichef Markus Söder bereits Anfang des Monats angekündigt, das wäre “kein gutes Signal”, sagte er damals.

Stadt München führt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ein

Montag, 21. September, 12.17 Uhr: Zur Eindämmung des Coronavirus hat die Stadt München eine Maskenpflicht auf bestimmten öffentlichen Plätzen und Straßen der Innenstadt beschlossen – und zwar am Marienplatz, dem Viktualienmarkt und in der kompletten Fußgängerzone der Altstadt. Das ist das Ergebnis einer Sitzung des Krisenstabes der Stadt, der am Montagvormittag wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen getagt hatte. Die Regelung soll von Donnerstag an gelten, falls die Zahlen weiter über dem kritischen Wert von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern binnen einer Woche bleiben, wovon Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ausgeht. Wenn diese Verfügung in Kraft tritt, gilt sie laut Stadt erst einmal eine Woche lang.

Dann dürften sich in München auch nur noch fünf Personen treffen oder zwei Haushalte oder Familien – und zwar im privaten und öffentlichen Raum wie auch in der Gastronomie. Die landesweit gültige Kontaktbeschränkung würde also in der Landeshauptstadt deutlich verschärft. Ebenso wie die Regeln für sogenannte anlassbezogene private Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstagspartys: Daran dürften dann höchstens noch 25 Menschen (in Gebäuden) beziehungsweise 50 Menschen (im Freien) teilnehmen – also nur noch ein Viertel der bisherigen Höchstzahlen. Aber auch diese Beschränkungen gelten nur, wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in München bei mehr als 50 bleibt.

“Ich möchte dringend und baldmöglichst nicht mehr der größte Hotspot der Bundesrepublik sein, was die Corona-Zahlen betrifft”, sagte Reiter. Am Wochenende lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in München bei 55,6, am Montag dann bei 56,1. Bayernweit liegt sie aktuell bei 21,3.

Söder sorgt sich wegen privater Veranstaltungen

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Montag, 21. September, 10.05 Uhr: Dass der Inzidenzwert vor allem in München so deutlich gestiegen ist, führt der bayerische Ministerpräsident vor allem auf Urlaubsrückkehrer und den Leichtsinn einiger Menschen zurück. “München hat sehr hohe Zahlen, zu hohe Zahlen.” Sorgen bereiten ihm nicht professionell organisierte Veranstaltungen oder der Besuch in Wirtschaften. “Das Problem sind die privaten Feiern”, sagte er am Montag in einem Statement vor der CSU-Vorstandssitzung. Sollten die Menschen nicht vernünftig sein und sich solidarisch verhalten, müsse es schärfere Regeln geben. Denn sein Ziel ist, den Betrieb in Schulen und Kitas bayernweit weiter zu ermöglichen und die Wirtschaft vor weiteren Einschränkungen zu bewahren, betonte Söder.

“Ich habe wirklich Bauchschmerzen, was den Supercup betrifft”

Montag, 21. September, 9.33 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder denkt angesichts des Supercup-Spiels zwischen dem FC Bayern München und dem FC Sevilla im Corona-Risikogebiet Budapest über schärfere Quarantäneregeln nach. Bisher gilt: Wer sich weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet im Ausland aufgehalten hat, muss nicht in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Jeder solle sich genau überlegen, ob er wirklich wegen eines Fußballspiels nach Ungarn fahren wolle, sagte der CSU-Chef vor der Parteivorstandssitzung.

Der europäische Fußballverband Uefa hält bislang an seinen Plänen fest, das Supercup-Finale am Donnerstag in der Puskás-Arena vor Zuschauern zu spielen. Die Stadionkapazität von 67 000 Zuschauern soll bis zu 30 Prozent ausgelastet werden. Beiden Clubs stehen jeweils rund 3000 Tickets zur Verfügung. Rund 2100 Fußballfans wollen den FC Bayern München nach Angaben vom Sonntag nach Budapest begleiten. Söder warnte vor einer leichtsinnigen Ansteckung in Budapest, wo die Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner stabil um 100 lägen – also deutlich höher als in Bayern. “Wir wollen kein Fußball-Ischgl”, betonte er.

Söder stellt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in Aussicht

Montag, 21. September, 8.33 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder hat eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in München in Aussicht gestellt, auf denen die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Er habe sehr gemischte Gefühle, etwa wenn er sich die Bilder von wilden Wiesn-Ersatzfeiern wie am Wochenende auf dem Viktualienmarkt ansehe. Daher wolle er mit der Stadt über einen Mund-Nasen-Schutz beraten, sagte der CSU-Chef vor der Parteivorstandssitzung. “Ich will keinem die Freude nehmen”, sagte Söder. Aber angesichts der hohen Infektionszahlen in München sollten Freude und Vernunft besser zusammengehen.

Die Stadt München könne jetzt schon Entscheidungen treffen, ob ein Mund-Nase-Schutz zur Pflicht auf öffentlichen Plätzen werden soll. Das bayerische Kabinett tagt am Dienstag und “könne aus Entscheidungen Regeln machen”, so Söder. Zudem soll das Gesundheitsamt der Stadt künftig durch die Bundeswehr unterstützt werden. “Wir werden die Bundeswehr bitten, 100 Leute zur Verfügung zu stellen, um die Nachverfolgung zu verbessern.” Am Sonntag erreichten die Corona-Zahlen in München den Wert von 55,6 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner in einer Woche.

Die Pflicht zu einem Mund-Nase-Schutz auf öffentlichen Plätzen solle nicht nur auf die Landeshauptstadt beschränkt sein, betonte Söder. Dies solle überalle gelten, wo der Inzidenzwert höher als 50 ist.

Münchner Krisenstab berät über steigende Corona-Zahlen

Montag, 21. September, 7.55 Uhr: Der Münchner Corona-Krisenstab berät am heutigen Montag über den weiteren Umgang mit den steigenden Infektionszahlen. Die Stadt hatte bereits am Freitag die Grenze von 50 Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohner überschritten, ab der weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen werden sollen. Bislang hat die Stadt als Reaktion auf die höheren Zahlen die Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen verlängert. Vor zusätzlichen Maßnahmen wollte sich die Stadtspitze zunächst die weitere Entwicklung ansehen. Besondere Brisanz haben die gestiegenen Werte in München auch deshalb, weil in der bayerischen Landeshauptstadt am Wochenende eigentlich das Oktoberfest begonnen hätte. Anstelle des wegen der Pandemie abgesagten Volksfestes findet derzeit in mehr als 50 Gaststätten in der Stadt eine sogenannte “Wirtshaus-Wiesn” unter den üblichen Hygieneauflagen statt. Die Veranstaltung ist angesichts der Infektionszahlen umstritten.

Corona gefährdet Leukämiekranke

Sonntag, 20. September, 17.55 Uhr: Die Zahl der Stammzellenspender in Bayern sinkt wegen der Corona-Pandemie. “Die Situation ist ernst: Durch Corona fehlen uns in diesem Jahr 20 000 neue Spender”, erklärte Hans Knabe von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) zum Tag der Knochenmarkspende am Samstag. “Corona hat schwerwiegende Konsequenzen für das Leben vieler gesunder Menschen, aber für Tausende Leukämiepatienten ist Corona eine ganz besondere zusätzliche Bedrohung.” Denn in der Pandemie seien sogenannte Typisierungsaktionen, bei denen sich potenzielle Spender registrieren können, aufgrund der verhängten Kontaktverbote abgesagt worden. Dadurch hätten viele Menschen nicht die Möglichkeit, sich so für den Kampf gegen Leukämie einzusetzen, wie sie es in der vergangenen Jahren machen konnten. Deshalb sollten sich Interessierte nun online registrieren. Dies sei, so Knabe, “ein für jeden gangbarer Ausweg aus dem Dilemma”.

Laut AKB, die ihren Sitz in Gauting hat, erkranken jährlich 13 000 Menschen deutschlandweit an Blutkrebs. Oft stellt eine Transplantation von gesunden Stammzellen für Leukämiepatienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung die einzige Überlebenschance dar. Mit Registrierungssets für zu Hause und zusätzlichen Online-Aktionen sollen die Ausfälle nun kompensiert werden. Auch die Spender-Organisation DKMS, die ihre Zentrale in Tübingen hat, sagte ihre deutschlandweiten Veranstaltungen ab, bei denen sie eigenen Angaben nach jeden Monat etwa 25 000 neue potenzielle Spender aufnehme. “Diese Spender fehlen jetzt”, sagte Konstanze Burkard, Direktorin für Spenderneugewinnung. Zwar registrierten sich monatlich 30 000 Spender online und damit 5000 Personen mehr als vor der Corona-Krise, allerdings reiche das nicht aus.

Wirtshaus-Wiesn startet mit vollen Biergärten – und Kritik in sozialen Medien

Sonntag, 20. September, 10 Uhr: Wirte, Geschäftsleute und Polizei haben nach dem ersten Tag der sogenannten Wirtshaus-Wiesn eine positive Bilanz gezogen. In sozialen Netzwerken mehrt sich allerdings auch Kritik an dem Konzept, eine Art Ersatz für das ausgefallene Oktoberfest in mehr als 50 Gaststätten zu veranstalten.

Auch ohne richtige Wiesn sind am Samstag viele Menschen in Tracht in die Stadt gekommen – bei perfektem Wiesnwetter. Vielerorts waren die Biergärten voll, mancher bekam keinen Platz mehr oder musste warten. Die Gäste hätten sich an Corona-Regeln gehalten und friedlich gefeiert, sagte der Sprecher der Innenstadtwirte und Chef des “Augustiner Klosterwirt”, Gregor Lemke. Es habe eine entspannte, gute Stimmung geherrscht, aber keine ausufernde Partylaune.

“Wir sind bisher sehr zufrieden”, sagte auch ein Sprecher des Vereins Citypartner, der unter anderem für mehrere Innenstadtgeschäfte mit einer Gutscheinaktion für das Tragen von Tracht geworben hatte. “Schon um 12 Uhr waren alle Freischankflächen in der Innenstadt besetzt – ganz überwiegend mit Gästen in Tracht.”

Laut Polizei seien zwar durchaus Feiernde in der Stadt unterwegs gewesen, einen direkten Bezug zum Oktoberfest und den Ersatzfeiern habe man aber nicht feststellen können, sagte ein Sprecher. Es sei auch in der Nacht verhältnismäßig ruhig gewesen. In sozialen Medien gibt es jedoch Kritik. Auf zahlreichen Bildern ist zu sehen, wie Abstandsregeln nicht oder nur kaum eingehalten werden.

Söder will Weihnachtsmärkte unter Auflagen zulassen

Sonntag, 20. September, 9.30 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kann sich Weihnachtsmärkte in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie vorstellen – mit Maskenpflicht und weniger Alkohol. “Für die Weihnachtsmärkte muss man sich kluge Konzepte überlegen. Man kann beispielsweise Laufwege mit Eingang und Ausgang definieren, man muss mit Maskenpflicht operieren und man wird den Alkoholkonsum stark reduzieren müssen”, sagte er CSU-Chef der Welt am Sonntag. “Dann kann ich mir die Christkindlmärkte vorstellen, die allerdings anders sind als die normalen – und nur, wenn es das regionale Infektionsgeschehen zulässt.”

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich gesagt, wenn es gelinge, Weihnachtsmärkte mit Hygiene, Abstand und Masken zu versehen, ohne ihren Charakter infrage zu stellen, könnte es das sicherlich auch geben.