Corona in Deutschland: Testpflicht kostet Bund jede Woche Millionen – Spahn verteidigt sein Vorgehen vehement – Merkur.de

Corona in Deutschland: Testpflicht kostet Bund jede Woche Millionen – Spahn verteidigt sein Vorgehen vehement – Merkur.de

Deutschland steckt mitten in der Corona-Pandemie. Die Testpflicht für aus Risikogebieten Einreisende kostet den Bund jede Woche Millionen, Jens Spahn verteidigt die Maßnahme. Der News-Ticker.

Update vom 8. August, 22.06 Uhr: Um die Verbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen, hat die Bundesregierung beschlossen, dass Reisende, die aus Risikogebieten nach Deutschland einreisen, sich auf das Virus testen lassen müssen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte sich dafür eingesetzt, dass die Tests kostenlos für die Reisenden zur Verfügung gestellt werden.

Corona-Testpflicht für Risikoreisenden kostet Bund wöchentlich Millionen

Dadurch entstehen für den Staat jede Woche Kosten in Millionenhöhe, wie eine Berechnung von ZDFheute ergeben hat. Dabei geht der Sender von rund 120.000 Passagieren, die pro Woche aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen, aus. Eine Umfrage des Flughafenverbands AVD lässt auf diese Annahme schließen.

Pro Test würden sich Kosten in Höhe von 65,50 Euro ergeben. Multipliziert mit der Anzahl der Reisenden ergibt sich ein Wert von knapp acht Millionen Euro, die der Staat aufbringen muss, um die Tests für Flugreisende bereitzustellen. Noch nicht mit einberechnet seien damit Menschen, die über Land oder mit dem Schiff einreisen.

Corona-Test kostet 65,50 Euro pro Person: „Nicht zu testen, wäre möglicherweise teurer“

Die zuständige Behörde rechtfertigte das Vorgehen. Durch frühes Testen „können potenziell erhebliche Folgekosten vermieden werden. Nicht zu testen, wäre somit möglicherweise teurer“, teilte das Bundesgesundheitsministerium ZDFheute mit. Zunächst übernähmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten – auch für jene Reisende, die privat versichert sind. Die Kosten würden später jedoch durch einen Milliardenzuschuss an die Kassen durch den Bund übernommen. Teilweise finanzierten auch die Länder die Corona-Tests, wie das Bundesgesundheitsministerium gegenüber ZDFheute erklärte.

In der Debatte, ob die staatliche Finanzierung von Corona-Tests, zu denen Menschen nach einer freiwilligen Reise verpflichtet werden, gerechtfertigt ist, hält Jens Spahn an seiner Ansicht fest. „Das ist in etwa so populistisch wie der Ansatz: ‚Wer sich den Ski-Urlaub leisten kann, der kann sich auch das gebrochene Bein leisten‘“, sagte der Bundesgesundheitsminister zu der Meinung, Urlauber könnten auch selbst für die Kosten aufkommen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigt die kostenlosen Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten.

© JOHN MACDOUGALL/afp

Update vom 8. August, 9.15 Uhr: Die Zahl der Sars-CoV-2-Infektionen in Deutschland liegt den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 1000 neuen Fällen. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge 1122 neue Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus binnen 24 Stunden gemeldet.

Im Vergleich zum Freitag, an dem 1147 neue Fälle registriert wurden, ging die Zahl am Samstag somit etwas zurück. Am Donnerstag hatte sie mit 1045 erstmals wieder über 1000 gelegen. Diese Schwelle war zuletzt am 9. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder.

Bereits drei Tage nacheinander wurden in Deutschland mehr als 1000 Corona-Neuinfektionen registriert.

© Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Coronavirus in Deutschland: Zwei RKI-Werte steigen im Vergleich zum Vortag stark

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen (Datenstand 7. August, 0.00 Uhr) in Deutschland bei 1,16 (Vortag: 0,99). Das sogenannte Sieben-Tage-R lag zum gleichen Zeitpunkt nach RKI-Schätzungen bei 1,16 (Vortag: 1,06). Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Das Sieben-Tage-R an zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Gesundheitsdienst-Chefin alarmiert wegen Infektionszahlen in Deutschland: „Wir sind nicht gut vorbereitet“

Update vom 7. August, 11.59 Uhr: Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen in Deutschland äußerte sich die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Dunja Hayali“.

Ihrer Meinung nach habe Deutschland die Krise bisher gut gemeistert. Teichert warnte jedoch für die Gesundheitsämter: „Wir sind nicht gut vorbereitet!” Die Ärztin, die den öffentlichen Gesundheitsdienst stärken möchte, führte weiter aus: „Ich glaube, dass wir uns in einer falschen Sicherheit im Moment wiegen, dass wir einfach die Zeit etwas aus den Augen verloren und verpasst haben.“ Sie fügte hinzu: „Alle haben geglaubt, die zweite Welle kommt erst im Herbst – jetzt haben wir August und die Zahlen gehen hoch.“

Corona in Deutschland: Zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen

Update vom 7. August, 11.23 Uhr: Am Montag war Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland nach den Sommerferien ins neue Schuljahr gestartet. Zwei Schulen sind nun wegen Corona geschlossen worden. Betroffen sind das Goethe-Gymnasium in Ludwigslust (Landkreis Ludwigslust-Parchim), wo eine Lehrerin positiv getestet worden ist, und die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz (Landkreis Rostock), wie aus Mitteilungen der beiden Landkreise hervorgeht.

An der Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz ist demnach ein Schüler infiziert. Die Schule soll ab Montag für zwei Wochen geschlossen bleiben. Am Freitag sollten die Kinder noch im Freien und in getrennten Gruppen unterrichtet werden. Alle Schüler, Lehrer und anderen Schulmitarbeiter müssen den Angaben zufolge in Quarantäne. Die Eltern würden über das richtige Verhalten in der Quarantänezeit und den Umgang mit etwaigen Verdienstausfällen informiert, hieß es vom Landkreis weiter. Das Gesundheitsamt ermittele nun Kontaktpersonen.

Das Gymnasium in Ludwigslust mit rund 800 Schülern bleibt zunächst bis einschließlich Mittwoch nächster Woche vorsorglich geschlossen. Alle 55 Lehrer würden auf Corona getestet, hieß es. Die infizierte Lehrerin habe nach den Ferien noch keinen Unterricht erteilt, also keinen Kontakt zu Schülern gehabt. Allerdings sei sie bei den Vorbereitungen für das neue Schuljahr in der letzten Ferienwoche mit Lehrer-Kollegen zusammen gewesen.

Corona in Deutschland: Konzert in Düsseldorf mit 13.000 Zuschauern geplant

Erstmeldung vom 7. August, 10.56 Uhr: München – Die Coronavirus-Pandemie hält Deutschland weiterhin in Atem. Am gestrigen Donnerstagmorgen meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 1045 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. So viele Neuinfektionen wurden seit etwa drei Monaten nicht mehr vermeldet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht dennoch keine kritische Schwelle überschritten. In Düsseldorf ist ein Konzert für Anfang September mit 13.000 Zuschauern geplant.

Am 4. September soll im Düsseldorfer Fußballstadion, der „Merkur Spielarena“, ein Konzert mit bekannten Stars aus aller Welt stattfinden. Unter dem Motto „Give Live A Chance” sollen Bryan Adams, Sarah Connor, Rea Garvey und einige weitere Musiker vor 13.000 Zuschauern in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens auftreten. „Das ist das Zeichen, auf das Fans, Künstler und Crews sowie die gesamte Musikindustrie sehnsüchtigst gewartet haben“, sagte Veranstalter Marek Lieberberg in einer Mitteilung am Freitag. Es wäre laut den Veranstaltern das erste Großkonzert seit Mitte März in Deutschland.

Das Konzert, das laut den Veranstaltern das erste Großkonzert in Deutschland seit Mitte März wäre, werde in enger Abstimmung mit den Behörden geplant. Dem Infektionsschutz werde „in vollem Umfang Rechnung getragen“, so die Veranstalter. Die Zuschauer sollen während des Konzerts Schutzmasken tragen. Der nötige Sicherheitsabstand zwischen den Sitzplätzen soll gewahrt werden.

Corona in Deutschland: Spahn hält 1000 Neuinfektionen pro Tag für verkraftbar

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nach dem jüngsten Anstieg der Corona-Neuinfektionen klargemacht, dass er derzeit keine kritische Schwelle überschritten sieht. „Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesundheitswesen und der öffentliche Gesundheitsdienst umgehen kann“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem ZDF-„heute journal“. Er führte weiter aus: „Wenn wir uns jetzt stabilisieren auf einem bestimmten Niveau, dann können wir damit umgehen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag aufeinander zu achten und eben weitere Maßnahmen tatsächlich auch nicht nötig zu machen.“

Zuletzt hatte das Robert Koch-Institut (RKI) erstmals seit drei Monaten mehr als 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Spahn unterstrich die Linie, im Fall der Fälle vor allem auf regionale Maßnahmen zu setzen. Auf die Frage, ab wann neue Einschränkungen nötig würden, betonte Spahn, es gebe nicht „die eine Zahl, auf die alles reduziert werden kann“. Weiter erklärte der Bundesgesundheitsminister: „Es gibt den Steigerungsfaktor – also um wie viel dynamischer wird das Infektionsgeschehen? Es gibt die absolute Zahl der Infektionen. Mit um die 1000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen.“ (ph mit dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

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