Corona: Neuinfektionen und aktuelle Zahlen für den Norden – NDR.de

Corona: Neuinfektionen und aktuelle Zahlen für den Norden – NDR.de

Wie viele Neuinfektionen gibt es in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen? Wie viele Menschen sind gerade aktiv infiziert? Gehen die Fallzahlen insgesamt nach oben oder unten? Und wie weit sind die Landkreise von verschärften Maßnahmen entfernt? NDR.de liefert Zahlen und Fakten für alle norddeutschen Bundesländer.

Wie stark sind Hamburg, Niedersachsen, MV und SH betroffen?

Verlauf der Corona-Pandemie in Norddeutschland

Interessant ist der Vergleich zwischen den norddeutschen Bundesländern. Über den tatsächlichen Pandemie-Verlauf geben gewichtete Zahlen einen deutlich besseren Aufschluss als absolute Fallzahlen: So leben in Niedersachsen mehr Menschen als etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Der direkte Vergleich der Neuerkrankungen würde einen falschen Eindruck vermitteln. Wenn man die Anteile der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner betrachtet, kann man die Bundesländer dagegen gut vergleichen. Epidemiologen nennen diesen Wert “Inzidenz“.

Betrachtet man den Verlauf seit dem Sommer, zeigt sich, dass sich das Coronavirus ab August 2020 vor allem in Hamburg ausgebreitet hat. Während des Sommers blieben die Inzidenzen hinter dem ersten Wellenberg aus dem Frühjahr zurück. Der Fokus auf Erkrankungen ab Juli 2020 in der Grafik unten macht sichtbar, wie sich die Dynamik der Corona-Seuche in den Nord-Ländern unterscheidet:

Wichtig ist: Hier geht es nicht um die tagesaktuellen Infektionsmeldungen aus den Gesundheitsminsiterien der Länder, die NDR.de täglich in seinen Corona-Live-Ticker schreibt. Sie liefern den schnellsten Eindruck, sind aber irreführend, wenn es um den Trend geht. Denn oft fehlen viele Neuinfektionen noch, die erst später nachgemeldet werden (Meldeverzug). Trendlinien mit neuesten Tageswerten zeigen darum oft nach unten, obwohl es eigentlich nach oben geht.

Diese Seite verwendet vergleichbar aufbereitete Zahlen des bundeseigenen Robert Koch-Instituts (RKI), und lässt die Werte der letzten zwei Tage weg, um das Pandemie-Risiko durch den Meldeverzug nicht zu unterschätzen. (Lesen Sie mehr zum Verzug in der Meldekette und unserer Arbeit mit Corona-Daten.)

Neuinfektionen: 7-Tage-Trend für Norddeutschland*

Um den aktuellen Trend der Pandemie zu erkennen, gleichen wir die Schwankungen der täglichen Meldungen aus, indem wir die Zahlen der gerade vergangenen 7 Tage mitteln. Das Ergebnis ist die blaue Linie in der Grafik oben, das “7-Tage-Mittel”. Sie gibt die Richtung an, in die sich die Neuinfektionen bis in die jüngste Gegenwart entwickeln. Eine Prognose ist sie allerdings nicht.

Die Prozentzahl in der Grafik zeigt, wie sich der 7-Tage-Mittelwert im Vergleich zur Vorwoche verändert hat. Ist der Wert positiv, liegt das jüngste 7-Tage-Mittel höher als das vom Vergleichstag in der Vorwoche. Ist der Wert negativ, gehen die laborbestätigten Neuinfektionen gerade zurück.

Die folgende Tabelle fasst die Zahlen für ganz Norddeutschland noch einmal gebündelt zusammen:

Wie nah sind die Landkreise am Corona-Grenzwert?

Der Corona-Ausbruch im Tönnies-Schlachthof im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh hat gezeigt, wie schnell sich das Virus lokal ausbreiten kann. Die Politik hat eine Grenze gesetzt, ab der verschärfte Schutzmaßnahmen für die Landkreise kommen sollen: Sie liegt bei 50 neuen Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten 7 Tage.

Diesen Wert zeigt die Karte unten. Bewegen Sie die Maus (oder den Finger) auf die Kreise, um zu sehen, wie sich der Wert dort entwickelt – und ob er sich der 50er-Grenze nähert. Mehr Details liefert die NDR Seite über die Corona-Situation in den Kreisen.

Sars-CoV-2: Einzelne Infektionsherde oder Flächenbrand?

Im Norden gibt es 71 Kreise und kreisfreie Städte. Keine der Regionen blieb während der ersten Welle von Covid-19 verschont. Wie die Grafik oben zeigt, war rund die Hälfte der Kreise zwischenzeitlich allerdings wieder “Corona-frei”. Doch das Virus hielt sich und breitete sich im Sommer wieder (fast) überall im Norden aus.

Höchstes Infektionsrisiko: Erst die Alten, dann die Jungen

Zu Beginn der Pandemie infizierten sich innerhalb ihrer Altersgruppe vor allem die Älteren, während Jugendliche seltener positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Bis zum Sommer 2020 hat sich dieses Verhältnis gedreht.

Das hat vermutlich mehrere Gründe:

  • Ältere Menschen isolieren sich inzwischen stärker, da sie zur Risikogruppe gehören.
  • Berufstätige gehen wieder zur Arbeit, Jugendliche wieder zur Schule. Die Zahl der Kontakte steigt damit wieder deutlich an.
  • Laut RKI gehören auch junge Urlauber und Reiserückkehrer zu den derzeitigen Treibern der Infektion.

Haben Sie Fragen und Anregungen? Schreiben Sie uns an data@ndr.de.

Hinweise zu den RKI-Daten

  • Das RKI zählt labor-diagnostizierte Fälle. Die Ausbreitung von Sars-CoV-2 ist also aller Wahrscheinlichkeit nach größer als die bestätigten Infektionsfälle.
  • Wegen des Meldeverzugs tauchen neue Fälle meist Tage später in den Daten auf. Zum Teil werden Fälle, die Wochen zurückliegen, nachgemeldet. Die meisten nachgemeldeten Fälle verteilen sich auf die vergangenen drei bis vier Tage. Vorsicht ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen geboten. Letztlich bedeutet das: Abflachende Infektionskurven können ein trügerisches Bild zeichnen.
  • Die Zählung der Todesfälle des RKI kann von der Zählung der Bundesländer abweichen, da Bundesländer wie Hamburg nur Fälle zählen, bei denen Covid-19 als Todesursache festgestellt wurde.
  • Schließlich kann eine veränderte Strategie beim Testen die Zahlen beeinflussen: Je mehr getestet wird, desto mehr Infizierte wird man finden.

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