Covid-19: Offene Schulen machen es dem Virus leichter – Spektrum.de

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Was könnte der Grund dafür sein? Möglicherweise, dass das Virus durch den umfassenden Lockdown kaum Gelegenheit hatte zu zeigen, was es in Schulen anrichten kann.

Es wäre aber auch denkbar, dass Kinder das Virus einfach nicht so leicht weitertragen wie Erwachsene. Etwa, weil ihre kindlichen Zellen das Virus nicht so leicht aufnehmen. Oder weil ihr Immunsystem es aus irgendeinem Grund besser und schneller bekämpfen kann. Ein Kinderkörper reagiert auf viele Dinge anders als der eines Erwachsenen. Beides könnte dafür sorgen, dass Schulöffnungen eher unbedenklich sind. Doch diese Vermutungen lassen sich derzeit nicht untermauern.

In mehreren Studien haben Forscherteams das versucht: unter anderem in einem viel diskutierten und bisher noch nicht final begutachteten Paper, an dem der Charité-Virologe Christian Drosten beteiligt war, sowie in einer Untersuchung von einer Gruppe um die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf, erschienen im »Journal Clinical Infectious Diseases«. In beiden Untersuchungen fand man keinen nennenswerten Unterschied zwischen der Virusmenge, die Kinder und Erwachsene ausscheiden. Hätten die Teams an dieser Stelle etwas gefunden, wäre das ein wichtiger Hinweis dafür gewesen, dass Kinder weniger infektiös sind – Schul- und Kitaöffnungen also in dieser Pandemie ungefährlicher wären als befürchtet. Sie fanden aber nichts. Fazit einer Mitte August veröffentlichten Studie am Massachusetts General Hospital in Boston: »Kinder können ansteckend sein, auch wenn sie milder erkranken oder gar keine Symptome zeigen.« Die Frage, wie man Covid-19 von einer Erkältung unterscheidet, stellt sich bei ihnen wegen der meist milden Verläufe noch mehr als bei Erwachsenen.

Offen ist zudem die Frage, wie leicht sich Kinder selbst infizieren. In Studien zu Infektionen in Haushalten fiel immer wieder auf, dass sich die Jüngeren seltener bei Familienmitgliedern ansteckten als Erwachsene – Kleinkinder noch seltener als Jugendliche. Doch auch dazu haben Forscher bisher keine robusten Daten sammeln können.

Bleibt also nur ein Blick an die vermeintlichen Hotspots selbst: Schulen und Kindertagesstätten. In Deutschland allerdings haben dort durchgeführte Studien bisher wenig ergeben. Immer wieder entdeckte man zwar Infektionsfälle und kleinere Ausbrüche in Schulen. Doch wurden diese meist sehr schnell wieder kontrolliert.

Mehrere große Ausbrüche an Schulen im Ausland

Darüber hinaus deutet bisher wenig darauf hin, dass das Virus in deutschen Schulen bereits häufiger kursierte. In Sachsen schauten Epidemiologen besonders genau hin: In einer Studie fand man unter knapp 2600 Schülern und Lehrpersonal mehrerer Grundschulen und Gymnasien keine einzige infizierte Person. Bluttests von 14 Kindern und Erwachsenen wiesen lediglich auf eine überstandene Infektion hin. Eine ähnliche Untersuchung in Baden-Württemberg lieferte ebenfalls kaum Hinweise auf aktuelle oder vergangene Schulausbrüche. Das klingt erst einmal nach einer guten Nachricht, hat aber wahrscheinlich vor allem etwas damit zu tun, dass das Virus zu den Untersuchungszeitpunkten einfach kaum jemand in den Regionen in sich trug. Wer wissen will, wie geöffnete Schulen einen Corona-Ausbruch vorantreiben können, braucht beides: geöffnete Schulen und Infektionen in der Bevölkerung.