GEW macht auf Mängel an Darmstädter Grundschulen aufmerksam – Echo Online

GEW macht auf Mängel an Darmstädter Grundschulen aufmerksam – Echo Online

Nur das Allernötigste ist geplant. So lautet das Fazit ´von Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nach der dritten „Tour de Schul’“.

„Einstürzenden Schulbauten“ beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bei ihrer „Tour de Schul“ durch Eberstadt. Foto: Andreas Kelm

„Einstürzenden Schulbauten“ beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bei ihrer „Tour de Schul“ durch Eberstadt. (Foto: Andreas Kelm)

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DARMSTADT – Zum dritten Mal waren Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Wochenende auf Fahrrädern unterwegs, um sich ein Bild von Darmstädter Schulen zu machen. Die „Tour de Schul“ führte ein knappes Dutzend Teilnehmer, abgesichert von einem Polizeiwagen, nach Eberstadt. Und wie schon bei vorangegangenen Touren, fanden die Gewerkschafter auch diesmal suboptimale Verhältnisse in den besuchten Grundschulen in Eberstadt vor.

Bei der ersten Station, der Wilhelm-Hauff-Schule, war beispielsweise zu erfahren, dass die Schulgemeinde in der Vergangenheit 26 Jahre auf die Sanierung der Toilettenanlage warten musste. Jetzt steht in beiden Gebäuden erneut eine Bestandssanierung an. Nach Angaben von Schulleiterin Jutta Hallermann werden deshalb die 250 Grundschüler voraussichtlich im Januar 2021 für schätzungsweise anderthalb Jahre ihre Schule verlassen. Sie sollen auf dem Sportplatz der Schwambschule in Containern unterrichtet werden.

Nackter Beton in der Turnhalle

Hallermann lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Immobilienmanagement Darmstadt (IDA), dem städtischen Schulamt und dem Architekturbüro. In den Gesprächen habe man auch pädagogische Aspekte einbringen können.

Aus Kreisen der GEW hieß es dazu: „Wir freuen uns über die Sanierung, sie ist aber auch dringend nötig.“ Das wurde vor allem im Seitengebäude deutlich, wo die kleine Turnhalle nackte Betonwände aufweist. Die Verglasungsflächen des kahlen Bewegungsraums ohne Linien oder sonstige Markierungen auf dem Boden lassen sich nicht öffnen; ob die beiden Elektrolüfter kurz unterhalb der Decke im Winter für die wegen Corona nötige Durchlüftung sorgen können, wird sich zeigen. Heizkörper haben keinen vorgeschriebenen Prallschutz, wie Klaus Armbruster vom GEW-Kreisvorstand bemängelte. Dass in diesem Raum Kinder richtig toben können, ist schwer vorstellbar.

„Wir freuen uns über die Sanierung, aber sie bringt leider keine erhoffte Erweiterung des Raumangebots“, kritisierte eine Mutter, „wir gewinnen damit nicht so viel Raum, wie unsere Kinder bräuchten.“

Die vor etwa zehn Jahren sanierte Andersenschule, zweite Station, macht einen erkennbar freundlicheren Eindruck. Aber auch hier gibt es nach Darstellung von Schulleiter Oliver Häfner massive Probleme: „Wir brechen bald unter der Last zusammen.“ In Eberstadt vollziehe sich derzeit ein massiver Wandel: Alte Leute zögen weg, junge Familien füllten die Lücken. Der Ansturm von deren Kindern schaffe an der zweizügigen Grundschule mit 190 Kindern eine drangvolle Enge. Zu den 27 Kindern pro Klassensaal kämen zwei Lehrkräfte und zwei Teilhabeassistenten. Differenzierungsräume, wo man sich bei Bedarf mit einem Teil der Kinder zurückziehen könne, gebe es nicht.

Andersenschule leidet unter Raumnot

In dem für zehn Pädagogen konzipierten Lehrerzimmer drängten sich in der Andersenschule mittlerweile 18. Zu Konferenzen weiche das Lehrpersonal in die kleine Turnhalle aus. „Elterngespräche seien unter diesen Umständen sehr schwierig“, klagt Häfner. Nachmittags – da müssten 120 Schüler betreut werden – gingen die vierten Klassen zu Fuß zur Gutenbergschule. „Keine Dauerlösung“, so der Schulleiter. Bis die avisierte Erweiterung durch Aufstockung an der Schule komme, dauere es wohl noch vier bis fünf Jahre.

Das Problem müsse dringend gelöst werden, mahnt Marita Skubich. Ab 2025 hätten alle Grundschüler einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung. In einer Stellungnahme der GEW vom 24. November 2019 zur Fortschreibung des Schulentwicklungsplans hieß es dazu: „Angesichts des Sanierungsstaus und der steigenden Schülerzahlen (…) kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass knapp das Allernötigste geplant ist“