Grams’ Sprechstunde: Wer heilt, hat nicht zwingend recht – Spektrum.de

Grams’ Sprechstunde: Wer heilt, hat nicht zwingend recht – Spektrum.de


Patientinnen sollten Beweise für Versprechen fordern

Anders ausgedrückt: Rechtfertigen muss sich immer derjenige, der eine Behauptung in den Raum stellt. Das gilt für Vertreter der Pharmaindustrie, die neue Medikamente anpreisen, ebenso wie für Homöopathen, Ärzte und Naturheilkundler. Niemand von ihnen sollte Prophezeiungen anbieten, die sich mit Glück im Nachhinein bestätigen und sich deshalb wie ein Beweis anfühlen. Und Patienten sollten sich damit erst recht nicht zufriedengeben, sondern belastbare Belege einfordern.

Was keine Belege liefern kann, kann nicht als Alternative zur normalen Medizin gelten. Schließlich geht es letztlich nicht darum, als Einzelner oder Einzelne Recht zu haben. Es geht um verlässliche, allgemeingültige Aussagen zur Gesundheit, zu potentiellen Risiken, zu Nebenwirkungen von Medikamenten und Methoden sowie um die Prognose, die der Behandler stellen kann.

Sicherlich: In seltenen Fällen sind Mittel in der breiten Anwendung doch nicht so sicher wie gedacht, andere vermögen die Krankheit im Einzelfall nicht zu heilen. Auch wird allzu oft übersehen, was unser Körper selbst leistet. Bis zu 80 Prozent aller spontan auftretenden Beschwerden vergehen von alleine, davon gehen manche Selbstheilungsforscher heute aus.

Deshalb möchte ich das geflügelte Wort ein wenig abwandeln: »Wer nachweisen kann, dass er ursächlich geheilt hat, hat recht.« Und wohl dem, der die Selbstheilungskräfte nicht einfach auf dem Konto seiner persönlich bevorzugten Heilmethode verbucht, sondern ehrlich darauf schaut, was der Körper schafft und wo er Hilfe durch wirklich wirksame Medizin braucht.