Kanzler Söder? Brandneues Szenario aus der Union aufgetaucht – SPD ist entsetzt – Merkur.de

Kommt hier der Masterplan? In der Union kursieren offenbar Pläne, Markus Söder schmerzlos ins Amt als Kanzlerkandidat zu hieven. Die SPD ist schon mal fassungslos.

  • Schon gut ein Jahr schießen die Gerüchte über die K-Frage der Union ins Kraut – im Fokus: Markus Söder.
  • Ein neues Szenario könnte den Weg für den CSU-Chef freiräumen. Und für Spahn und Laschet neue Posten bringen.
  • Doch es droht Widerstand. Nicht nur von Armin Laschet, sondern auch aus der SPD.

Berlin/München – Viel kann in der Politik passieren, jederzeit. Doch Stand Juli 2020, rund 14 Monate vor der Bundestagswahl, scheint es für die Union eigentlich nur einen überzeugenden Kanzlerkandidaten zu geben. Und der kommt ausgerechnet aus der CSU. Er heißt Markus Söder.

Kanzler Markus Söder: Vermeintlicher Masterplan aus der CDU kursiert – neue Perspektive für Laschet?

In Umfragen räumt der bayerische Ministerpräsident in der Corona-Krise gewaltig ab. Selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) spürt in den obligatorischen Beliebtheitsumfragen langsam Söders Atem im Nacken.

Doch von der in der Bayern sprichwörtlichen „gemähten Wiese“ ist das weite Feld Kanzlerkandidatur für Markus Söder* noch ein Stück entfernt, selbst wenn der Corona-Liebling denn nun seinen Hut offiziell in Ringe werfen würde. Grund sind die Ansprüche der CDU-Alphatiere aus NRW

Doch für die haben Christdemokraten nun offenbar ein mögliches Szenario zur allgemeinen Befriedung ersonnen. Aus Reihen der Konservativen ist der vermeintliche Masterplan nun an die Süddeutsche Zeitung lanciert worden – so schreibt es das Blatt jedenfalls in seiner Freitagsausgabe.

Merkel-Nachfolge: CDU-Rochade könnte Söder helfen – Gerücht um Parteichef Spahn

Kurz umrissen würde es so funktionieren: Der ambitionierte Gesundheitsminister Jens Spahn* könnte sich aus dem Tandem mit Armin Laschet lösen und im Dezember zum Parteichef aufsteigen – auf das Kanzleramt hatte der 40-Jährige ohnehin keine Ambitionen angemeldet. Laschet selbst soll für das prestigeträchtige Amt als Bundespräsident in Stellung gebracht werden. Und der 64-jährige Comebacker Friedrich Merz* könnte umstandslos wieder aufs Altenteil abgeschoben werden. 

Merz gelte ohnehin „vielen in der Partei als Risiko“, ein solches werde die CDU nicht ohne Not eingehen, so die von der SZ kolportierte These. Über Kritik war Merz zuletzt tatsächlich nicht erhaben. Bliebe nur noch Norbert Röttgen*. Der gilt aber, so viel lässt sich feststellen, nur als Außenseiter im Rennen um den CDU-Vorsitz.

Kanzlerkandidat der Union gesucht: Freie Bahn für Söder dank Spahn?

Im Endeffekt hätte Söder damit freie Bahn ins Kanzleramt, zumindest aber zum Posten als Unions-Spitzenkandidat. Zugleich säße mit Spahn dann ein Mann der CDU vor, mit dem der CSU-Chef allem Anschein nach gut kann.

Kann es tatsächlich so kommen? Komplett abwegig scheint es nicht. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble schien jüngst seinen Parteifreund Spahn in einem gemeinsamen Interview mit der Zeit den Segen zu erteilen. „Er hat den Willen zur Macht“, lautete eine von Schäubles Äußerungen zum CDU-Youngster.

Laschet als Söder-Bremser: Will der NRW-Chef wirklich Bundespräsident werden?

Doch dann gibt es auch noch die andere Seite. Dass sich Laschet* direkt aus dem bunten Treiben des Regierungschef-Amtes im einwohnerreichsten Bundesland Deutschlands ins Schloss Bellevue versetzen lassen will scheint fraglich. Zumal er in einem hypothetischen Ringen mit Merz und Röttgen um die CDU-Spitze allen Corona-Wirren zum Trotz nicht die schlechtesten Karten hätte.

Zudem wird erst 2022 ein Nachfolger für Frank-Walter Steinmeier gewählt. Ob überhaupt ein CDU-Vertreter ins Amt gelangen kann, ist von politischen Unwägbarkeiten abhängig. Und die SPD ist schon jetzt von der Idee entsetzt. 

Kanzlerschaft 2021: Laschet als Steinmeier-Ersatz – SPD-General zeigt sich empört

„Einen starken und beliebten Bundespräsidenten wie Frank-Walter Steinmeier zu opfern, um die Karriereziele von ein paar CDU-Jungs zu erfüllen?“, fragte Generalsekretär Lars Klingbeil am Freitag auf Twitter rhetorisch um dann zum verbalen Gegenschlag auszuholen: „Dieses Schauspiel von Söder, Laschet und der Union wird immer unwürdiger.“

Zuguterletzt ist auch noch offen, ob Söder überhaupt Kanzler will – selbst, wenn er Kanzler kann. Und ob die CDU sich auf das Wagnis CSU-Kandidat einlässt. Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber scheiterten dereinst mit konfrontativen Wahlkämpfen. 

Die hatten allerdings mit Helmut Schmidt und Gerhard Schröder markante SPD-Regierungschefs als Kontrahenten. Bei der SPD herrscht derzeit Ratlosigkeit. Söder sonnt sich schon jetzt im Glanz der Unions-Kanzlerin – und das Erbe der markigeren CSU-Zeiten streift er augenscheinlich schon mal ab. (fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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