Katastrophen-Prävention: Unterwasserblasen gegen Hurrikane? – DER SPIEGEL

Katastrophen-Prävention: Unterwasserblasen gegen Hurrikane? – DER SPIEGEL

Von “Arthur” bis “Rene” – 17 Hurrikane. So viele gab es zu diesem Zeitpunkt im Jahr noch nie. Ein Grund: die steigende Meerestemperatur. Denn: ab 26,5 Grad Celsius dient Wasser dem Hurrikan als gewaltiger Energielieferant.  

Ein norwegisches Unternehmen hat nun eine Technik entwickelt, um möglicherweise die Stürme bändigen zu können. 

Olav Bjørnsund Hollingsæter, CEO “OceanTherm” 

“Eine Blasenwand ist ein durchlöchertes Unterwasserrohr. In dieses Rohr pumpen wir Pressluft. Wasserblasen sprudeln aus den Löchern und gelangen nach oben. Sehr schnell bilden die Blasen eine Wand, die an die Oberfläche steigt. Das kalte Wasser, dass sie mitbringen, vermischt sich mit dem warmen Oberflächenwasser. Somit sinkt die Temperatur der Wasseroberfläche.” 

Durch diese Methode wollen die Norweger verhindern, dass der Hurrikan überhaupt entsteht.  

Olav Bjørnsund Hollingsæter, CEO “OceanTherm” 

“Wir nutzen die Technik bereits in Norwegen, nur umgekehrt, um die Fjorde eisfrei zu halten. Im Winter befördern wir wärmeres Wasser aus 15 oder 50 Metern Tiefe an die Wasseroberfläche. Es vermischt sich mit dem kalten Wasser und die Fjorde bleiben eisfrei.” 

Wie aber steht es mit der Umsetzung bei der Vermeidung von Hurrikanen? Der Yucatan-Kanal zwischen Cuba und Mexiko soll als erstes Testgelände dienen. Die 217 Kilometer lange Meeresstraße gilt als Brutstätte vieler Hurrikane. Die Schwierigkeit dort: 

Oliver Heim Hollingsæter, Entwickler “OceanTherm” 

“Im Golf von Mexiko müssen wir etwa 150 Meter hinuntergehen (mit dem Rohr). Das hat noch nie jemand zuvor getan.” 

Auch die Breite des Gebiets lässt viele Kritiker an der Umsetzbarkeit des Projekts zweifeln. 

Olav Bjørnsund Hollingsæter, CEO “OceanTherm” 

“Viele Menschen meinen, wir müssten ein großes Gebiet abdecken. Aber es gibt Strömungen im Golf von Mexiko. Das Wasser bewegt sich andauernd. Wenn wir einen Ort abkühlen, wird die Strömung das Wasser verteilen.” 

Die Verwirklichung des Projekts liegt nicht nur in den Händen des Unternehmens. Es brauche, unter anderem in Bezug auf die Kosten, Unterstützung auf staatlicher Ebene. Die Investition könnte sich langfristig lohnen, sollte das Konzept funktionieren: 

Oliver Heim Hollingsæter, Entwickler “OceanTherm” 

“Die Schäden im Zusammenhang mit Hurrikanen werden vom “Congressional Budget Office” auf 54 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Ein mobiles System mit 20 Schiffen, die während der Hurrikansaison im Einsatz sind, würde 300 Millionen Dollar pro Jahr kosten.” 

Der Name für den nächsten Hurrikan steht bereits fest. Er wird “Sally” heißen.