Klimawandel in den Schweizer Alpen: Wandern wird gefährlicher – DER SPIEGEL

Klimawandel in den Schweizer Alpen: Wandern wird gefährlicher – DER SPIEGEL

Gerade im Corona-Sommer zogen manche Deutsche einen Wanderurlaub in den Bergen einer Fernreise vor. Die Abgeschiedenheit in den Alpen versprach Ruhe und Erholung in der Natur statt überfüllter Strände und mediterraner Hitze.

Aber in Zukunft könnten ausgedehnte Wandertouren sehr viel schwieriger zu bewerkstelligen sein, warnen nun Forscher aus der Schweiz. Der Klimawandel verändert vor allem die hochalpine Landschaft dort so sehr, dass es auf diesem Terrain für Wanderer gefährlicher wird.

Das Schweizer WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hat eine Analyse von verschiedenen Studien vorgenommen. Das Ergebnis: Steinschlag oder Felsstürze dürften häufiger werden und extremere Ausmaße annehmen. Betroffen seien vor allem höher gelegene Berg- und Alpinwanderwege. Die Forscher fürchten außerdem mehr Schlammlawinen oder Erdrutsche. Solche Ereignisse könnten auch niedrigere Höhen erreichen und bis runter zum Talboden reichen.

Zu erwarten seien bis in tiefer gelegene Regionen trockenere Sommer, ein Anstieg der Hitzetage, heftigere Niederschläge und schneeärmere Winter. Zahl und Ausmaß von Starkniederschlägen nähmen zu. Das werde etwa zu größeren Wassermassen in Wildbächen führen. Dazu trage auch der auftauende Permafrost bei. Mit dem schmelzenden Eis verändere sich zudem der Untergrund.

“Felssturz, Steinschlag, Murgänge oder Rutschungen sind die Folgen”, schreiben Alexander Bast, Gregor Ortner und Michael Bründl in ihrem Bericht. Auch Wälder seien betroffen. So könnten mehr Stürme oder Brände zum Beispiel die Schutzwirkung von Wäldern gegen Steinschlag oder Lawinen schmälern.

Die Folgen des Klimawandels seien schon sichtbar, heißt es weiter. So wurden im Aletschgebiet, einer Region im Kanton Wallis,  schon Wanderwege gesperrt oder verlegt, weil Felswände und -hänge durch den Rückzug des Gletschers instabil geworden waren. Im Wallis wurde bei Randa eine Hängebrücke kurz nach der Eröffnung 2010 durch Steinschlag zerstört. Ein Neubau wurde 2017 eröffnet.

Wandern an den Klimawandel anpassen

Wanderer könnten die Risiken durch angemessenes Verhalten, gute Tourenplanung und Gefahrenabschätzung reduzieren. “Dass durch den Klimawandel neben den bisher bekannten Gefahrenquellen auch ganz neue entstehen, halten die Studienautoren für unwahrscheinlich”, schreibt das Institut.

Der Wandertourismus ist in der Schweiz ein großer Wirtschaftsfaktor. Das Land verfügt über zahlreiche Alpengipfel und hat mehr als 65.000 Kilometer Wanderwege. Die Analyse der Forscher ist Teil eines Programms, mit dem das Wanderwesen an die Veränderungen infolge des Klimawandels angepasst werden soll.

Die Folgen des Klimawandels beobachten Experten in den Alpen schon länger. Zuletzt hatten Wissenschaftler beispielsweise den Eisverlust im gesamten Gebirge kartiert. Demnach verloren die Gletscher der Alpen allein im Zeitraum von 2000 bis 2014 etwa ein Sechstel ihres Eisvolumens. Besonders betroffen sind die Schweizer Alpen, berichtete das Forscherteam der Universität Erlangen-Nürnberg.

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