Kurt Nickel und die “Politik-Paranoia”: Pfalzdorfer Buchautor sieht Heuchelei und Lügen in den Parteien verwurzelt – Lokalkompass.de

Kurt Nickel ist ein streitbarer Genosse, ein Mensch, der den politischen Diskurs nicht scheut. Er beobachtet, hinterfragt, fordert Transparenz und ist mit vielem nicht einverstanden, was im politischen Alltag läuft. Er sieht Egoismus, Lügen, Posten-Geschacher, eben all die Dinge, die ein politisches Misstrauen unterfüttern. Und so heißt denn auch Nickels neuer Roman genauso: “Politik-Paranoia”.

VON FRANZ GEIB

Pfalzdorf. “Ich habe in meinem Leben oft erleben müssen, wie Versprechungen vor der Wahl danach nicht mehr eingehalten wurden”, weiß der Pfalzdorfer aus Erfahrung und erinnert an die Diskussion um die Mehrwertsteuer im Jahr 2005: Damals wollten die Sozialdemokraten eine Erhöhung um zwei Prozent, wie von der CDU gefordet, auf gar keinen Fall mitmachen. Als die beiden Parteien eine Koalition eingingen, wurde die Mehrwertsteuer sogar um drei Prozent erhöht. “Das war für mich ein herber Schlag”, so der ehemalige Heilpädagoge, der daraufin 14 Jahre später begann, diese und andere politischen Enttäuschungen in einem Buch zu verarbeiten. “Mir geht es in meinem Roman um das Heuchlerische in der Politik allgemein, und zwar nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch auf Bundes- und sogar kommunaler Ebene, sagt der Autor: “Mir war es aber wichtig, dass meine Niederschrift keine Abrechnung sein soll.” Die “Bösen”, so Nickel, habe er versucht, in alle politische Richtungen zu verteilen. Stattdessen sei das neue Werk ein Handbuch für soziale Politik in einer Demokratie. “Denn die ist in unserem Land verloren geangen”, ist er überzeugt und nennt Beispiele wie die Privatisierungen im Gesundheitswesen, in der Pflege, von Autobahnen oder Wohnungen. “So etwas darf es nicht geben, diese Bereiche müssen samt und sonders dem Gemeinwohl verpflichtet bleiben”, mahnt Nickel.

Volksparteien bluten aus

Verantwortlich dafür, dass das Soziale in der Politik “verramscht” wurde, macht der Buchschreiber die derzeit handelnden und großen Volksparteien: Diese würden ausbluten, weil der Nachwuchs kaum Chancen habe sich zu engagieren, glaubt er. Aber man müsse jüngere und jungen Menschen die Möglichkeiten geben, sich einzubringen, sagt er: “Die Politik muss einfach offener werden!”
Doch zurück zu seinem Buch “Politik-Paranoia”: Das Cover zeigt eine junge, rotverschmierte Frau, auf die mehrere Hundert-Euro-Scheine niedergehen. Der Stoff handelt von einem Erreger, der Hirnhautentzündungen verursacht und sowohl den Frieden als auch die “Kungeleien” der politischen Parteien auf den Kopf stellt. Als eine Epidemie in der Landeshauptstadt ausbricht, wird ein Großteil der Politiker in Quarantäne isoliert. Mit Corona hat der Roman nichts zu tun: Stattdessen wird die Politik von einem “Ehrlichkeitsbaketerium” befallen, woraufhin ein Politiker nach seiner Genesung beginnt über Kungeleien und Bestechungen in Politik und Wirtschaft zu reden. Eine Paranoia entsteht, die ersten Morde geschehen …
Ob es am Schluss ein Happy End geben wird, wollte Kurt Nickel im Gespräch nicht verraten: “Das Ende hat mehrere Seiten, die zum Nachdenken anregen. Und schließlich gibt es noch einen guten Rat meinerseits.”
Erscheinen soll der Polit-Thriller im August im Spica-Verlag (Mecklenburg-Vorpommern). Dieser plant eine Auflage von zunächst 1.000 Büchern, zu einem Preis von 14,90 Euro. 

Spannung und Unterhaltung

Info: Kurt Nickel aus Pfalzdorf hat bisher acht Romane veröffentlicht. Alle Titel leben von der Spannung, der Unterhaltung, aber auch von der Information über die herrschenden Zustände in der Psychiatrie, wie sie aus Sicht des Pfalzdorfers früher waren, wie sie heute sind. Seine Veröffentlichungen lauten “Schizophren”, “Fluch einer Behinderung”, “Terror”, “Auge um Auge”, “Gefangen in der Psychiatrie”, “Totenfrucht”, “Abgründe der Psychiatrie” und schließlich “Alkohol-Koordinaten des Wahnsinns”. Bis zum Frühjahr arbeitete Nickel mit dem Südwestbuch-Verlag in Stuttgart zusammen, “Politik-Paranoia” ist der erste Roman, der vom Spica-Verlag veröffentlicht wird. Handlung und Personen sind fiktiv, eine Zuordnung derhanelnden Personen bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, sagt Kurt Nickel.