Osteopathie: Effektive Therapie bei Babys? – Spektrum.de

Osteopathie: Effektive Therapie bei Babys? – Spektrum.de


Es mangelt an Studien mit Qualität und an Studien überhaupt

Wirklich gute, qualitativ hochwertige Studien, die eine Wirksamkeit der Osteopathie bei Säuglingen und Kindern belegen könnten, existieren quasi nicht. In einem systematischen Review, das alle brauchbaren vorhandenen Studien auswertet, heißt es deutlich: »Die Evidenz für die Wirksamkeit der Osteopathie bei pädiatrischen Erkrankungen bleibt auf Grund der geringen Anzahl und der geringen methodischen Qualität der Primärstudien unbewiesen. […] die größten und methodisch korrekten Studien [konnten] keinen Effekt zeigen […]«

Bemerkenswert seien geradezu die mangelnde methodische Qualität und der Mangel an Studien überhaupt. »Solange keine Daten vorliegen, kann die Osteopathie nicht als effektive Therapie für Kinder betrachtet werden, und Osteopathen sollten das auch nicht behaupten.«

Wenn eine Methode schon im Ansatz nicht mit dem bewährten Wissen über Anatomie und Pathologie übereinstimmt, sollte einen das zweifeln lassen. Heißt es nach wissenschaftlicher Prüfung: »Es gibt keine Belege für …«, dann ist das ein klares Urteil.

Sicherlich ist das Gehaltenwerden schön, die Ruhe, die sanfte Berührung. Doch außer bei unspezifischen Rückenschmerzen  – und die dürften bei Babys nicht Anlass für eine Behandlung sein – gibt es so gut wie keine wirklichen Belege für eine positive Wirkung einer osteopathischen Behandlung über den wohltuenden Effekt des Behandlungssettings hinaus.

Das berüchtigte KISS-Syndrom ist erfunden

Wenn Ihr Kind nicht gerade einen angeborenen Schiefhals (Torticollis) hat, den ein Arzt sorgfältig diagnostizieren sollte, dann ist nichts schief, was nicht von allein wieder verschwindet. Auch angebliche Geburtstraumata im ostoepathischen Sinn gibt es nicht, und das berüchtigte KISS-Syndrom – eine angebliche kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung – ist sogar ganz erfunden.

Unruhe, ein verbeulter Schädel, Schreien, Trinkvorlieben, Spucken, Sabbern, kurze Schlafphasen – das alles gehört zum normalen Baby-Dasein. Es ist kein behandlungsbedürftiger Zustand. Wer das behauptet, ist bestenfalls unwissend besorgt, schlimmstenfalls möchte die Person mit der durchaus fordernden Phase der frühen Kindheit Geld verdienen.

Was wirklich wirkt? Die schwierige Zeit gemeinsam aushalten und die Gewissheit, dass es in aller Regel nichts zu behandeln gibt, was sich nicht von allein auswächst, sowie das Vertrauen zum Kinderarzt.