Richterin Bader Ginsburg arbeitet trotz Krebs weiter – Süddeutsche Zeitung

Ruth Bader Ginsburg, die 87-jährige Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, hat die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sie erneut unter Krebs leidet. Wie die bekannte liberale Richterin in einer Pressemitteilung des Supreme Court erklärt, unterzieht sie sich bereits seit Mitte Mai einer Chemotherapie. Anlass war das Ergebnis einer Routineuntersuchung im Februar und eine Biopsie der Leber. Eine Immuntherapie hatte sich zuvor als erfolglos erwiesen.

Die Richterin ist in der Vergangenheit wiederholt an Krebs erkrankt. Sie wurde bereits 2019 wegen Lungenkrebs operiert, wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt sie 2009 eine Bestrahlung, 1999 unterzog sie sich einer Operation wegen Darmkrebs.

Auch den jüngsten Krebs hofft die Richterin zu überstehen, nachdem eine Untersuchung am 7. Juli ergeben habe, dass die Chemotherapie anschlägt. Nach den befriedigenden Ergebnissen habe sie nun beschlossen, ihr Schweigen zu brechen.

“Ich werde die zweiwöchentliche Chemotherapie fortsetzen, um meinen Krebs in Schach zu halten und in der Lage sein, einen aktiven Tagesablauf aufrechtzuerhalten”, erklärt sie in ihrer Pressemitteilung. “Ich habe oft gesagt, ich würde Mitglied des Gerichtshofs bleiben, solange ich die Arbeit mit voller Kraft erledigen kann. Ich bin weiterhin in der Lage, dies zu tun.”

Ihre jüngsten Krankenhausaufenthalte hatten demnach nichts mit dem Krebs zu tun. Dabei ging es um die Entfernung von Gallensteinen und der Behandlung einer Infektion.

Bader Ginsburg gehört zu den vier liberalen Richtern am neunköpfigen Obersten Gerichtshof, sie hat sich wiederholt für die Gleichberechtigung von Frauen und das Recht auf Abtreibung eingesetzt, sie gehörte auch zu den Richtern, die die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit für gesetzmäßig erklärt haben. 2015 entschied sie zugunsten der von Präsident Barack Obama eingeführten Krankenversicherung. Sie gehört zum Bundesvorstand der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) und ist eine starke Verfechterin der Pressefreiheit.

Ein Grund, wieso sie bislang nicht daran denkt, ihre Arbeit, der sie seit 1993 nachgeht, aufzugeben, ist der gegenwärtige US-Präsident. Donald Trump würde als einen Nachfolger wohl einen konservativen Juristen berufen, so dass die Mehrheitsverhältnisse am Obersten Gerichtshof sich weiter zugunsten dieses Flügels verschieben würden. Derzeit wurden fünf der neun Richterinnen und Richter von republikanischen US-Präsidenten ernannt, vier von demokratischen Präsidenten.

Bereits mit der Ernennung von Brett Kavanaugh als Nachfolger für den eher als moderat geltenden Richter Anthony Kennedy hatte Donald Trump 2018 die Verhältnisse am Supreme Court deutlich verschoben. Die Richterinnen und Richter übernehmen ihr Amt auf Lebzeit, immer wieder treten sie allerdings aus Gesundheitsgründen zurück.