Streit um Corona-Impfstoff: Trump rügt Chef der Gesundheitsbehörde | tagesschau.de – tagesschau.de

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Im US-Wahlkampf ist Trumps schwächste Flanke sein Corona-Krisenmanagement. Deshalb will er noch vor der Wahl einen Impfstoff präsentieren. Dafür legt Trump sich sogar mit der Gesundheitsbehörde an.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Seit Wochen glaubt Donald Trump, endlich einen Ausweg aus seinem größten Dilemma gefunden zu haben. Sollte es ihm gelingen, noch vor dem Wahltag am 3. November einen Corona-Impfstoff zu präsentieren, dann würde sich alle Kritik an seinem Krisenmanagement in Luft auflösen.

Kein Wunder also, dass im Weißen Haus die Alarmglocken schrillten, als jetzt der Chef der US-Gesundheitsbehörde “Centers for Disease Control and Prevention” (CDC), Robert Redfield, unter Eid bei einer Senatsanhörung einen ganz anderen Zeitplan präsentierte.

Der Leiter der regierungseigenen CDC bestätigte zwar, dass bis zum Jahresende ein Impfstoff entwickelt sein könnte. Aber bis der allen Amerikanern zur Verfügung steht, werde noch deutlich Zeit mehr vergehen. Allgemein verfügbar sei der Impfschutz frühestens im Spätsommer 2021, also in knapp einem Jahr.

Pressesprecherin bekräftigt Zeitplan

Diese deutliche Korrektur des Zeitplans von Präsident Trump rief umgehend dessen Pressesprecherin Kayleigh McEnany auf den Plan: “Wir glauben, der Impfstoff wird bis zum Jahresende vorliegen“, so McEnany. “Daher haben wir führenden Pharmakonzernen einen Milliarden-Dollar-Auftrag erteilt und 100 Millionen Dosen vorbestellt”, so McEnany.

Ihr Chef jedoch beließ es nicht bei der Gegendarstellung, sondern griff zum Telefonhörer: Trump stellte seinen Gesundheitsexperten zur Rede und kritisierte ihn anschließend öffentlich. Redfield sei offenbar verwirrt gewesen. Er habe einen Fehler gemacht.

Streit auch um Masken

Doch auch bei einem anderen Aspekt liegen der Präsident und sein Behördenchef über Kreuz: beim politisch enorm aufgeladene Reizthema Maskentragen. Redfield betonte, dass es wissenschaftlich klar erwiesen sei, dass Masken gegen die Verbreitung des Virus wirken. Das Maskentragen sei womöglich sogar ein wirksamerer COVID-19-Schutz, als sich impfen zu lassen, so der Behördenchef. Und wieder schoss der Präsident dagegen: Redfield habe die Frage missverstanden.

Der Dritte, der sich freut, wenn zwei sich streiten, war der Herausforderer. Joe Biden gab zu Protokoll, er vertraue Impfstoffen, er vertraue Wissenschaftlern, aber er misstraue Donald Trump.