Was sagt die Sportmedizin zu Smovey-Ringen? – Spektrum.de

Was sagt die Sportmedizin zu Smovey-Ringen? – Spektrum.de

Wissenschaftliche Untersuchungen von unabhängigen Forschenden, mit großen Probandenzahlen, bei denen die Wirkung der Geräte auf den Körper im Vergleich mit anderen Sport- oder Rehabilitationsmethoden untersucht wird – möglicherweise auch im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die im gleichen Zeitraum keine oder andere Übungen macht. Solche Studien sind aufwändig, teuer und aus diesem Grund häufig nicht existent. So auch in diesem Fall.

»Wir sind gerade dabei, genauer zu untersuchen, welche Prozesse die Smovey-Geräte im Körper ansprechen«, sagt Gerda Delaunay von der smovey GmbH. Sie ist bei dem Hersteller für den Bereich Aus- und Weiterbildung zuständig. Als Doktorandin an der University School of Physical Education Breslau arbeitet Delaunay außerdem an einem Forschungsprojekt über den Effekt der Smovey-Geräte auf Jugendliche. In mehreren Tests sei, so Delaunay, untersucht worden, wie sich regelmäßiges Training mit den Geräten auf den Gleichgewichtssinn, auf die Stabilität im Körper und auf kognitive Prozesse, wie etwa Gedächtnis oder Konzentrationsfähigkeit, auswirkt. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und wurden noch nicht veröffentlicht.

Vibration fordert Körper und Gehirn

Darüber hinaus gibt es bisher nur wenig, was eine Wirksamkeit dieser ringförmigen Geräte belegt. Wo solche Untersuchungen fehlen, können aber Studien Hinweise geben, die das dahinterstehende Prinzip getestet haben: Neben dem kräftigenden Effekt, der durch einfache Körperübungen mit den Gewichten erzeugt wird, und einem Koordinationstraining, das automatisch stattfindet, wenn man die tanzschrittähnlichen Übungen durchführt, wirken die Smoveys vor allem über Vibration. Den Körper regelmäßig spürbar durchzuschütteln, ist eine übliche Methode in vielen Bereichen der Rehabilitationsmedizin und auch unter Hobbysportlern beliebt: Fitnessstudios bieten häufig Rüttelplatten an, auf denen man mit einfachen Übungen Stabilität im gesamten Körper trainieren kann.

Wer auf einer vibrierenden Platte steht, sorgt nämlich dafür, dass sich Muskeln im ganzen Körper aktivieren, um die Erschütterungen auszugleichen. Nicht nur die Muskeln, die man im Körper bewusst anspannen und damit leicht trainieren kann, sondern auch jene Zwischenmuskulatur, die sich nicht aus eigenem Antrieb anspannen lässt, die aber im gesamten Körper für Stabilität zuständig ist. Das ist möglich, weil die Vibration sozusagen eine direkte Verbindung zum zentralen Nervensystem anregt, das unwillkürlich Reize aussendet – beispielsweise Signale an Muskeln, die sich reflexartig kontrahieren.

Für Sportler und in der Rehabilitationsmedizin ist der Nutzen bereits gut belegt: Gezieltes Training auf einem vibrierenden Untergrund sorgt für mehr Stabilität von Gelenken. Es ist deshalb eine übliche Methode in der Rehabilitation von verletzten Gelenken. Eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin »Frontiers in Neurology« zeigte zudem, dass eine Vibrationstherapie Menschen im hohen Alter helfen kann, einen stabilen Gang zu trainieren. Außerdem kann ein solches Training – wie eine weitere Übersichtsarbeit ergab – einer Osteoporose, also dem Abbau von Knochenmasse, vorbeugen, der für Menschen mit zunehmendem Alter typisch ist. Eine höhere Anfälligkeit für Stürze und Knochenbrüche ist häufig Ursache schwerer Verletzungen im Alter.

»Die Befunde und Meinungen zur Vibrationstherapie fallen insgesamt sehr unterschiedlich aus – auch weil einige Bereiche noch nicht gut erforscht sind«, sagt der Sportwissenschaftler René Schwesig. Er leitet das Forschungslabor für Experimentelle Orthopädie und Sportmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seiner Einschätzung nach hat Vibrationstraining – wenn es korrekt eingesetzt wird – Potenzial, wenn es etwa um Therapien für Menschen mit Nervenerkrankungen geht, als Teil einer Auswahl von mehreren Bewegungs- und Koordinationstherapien.