Wirtschaft von oben #66 – Coronakrise: Auf diesem Schiffsfriedhof enden die Kreuzfahrtträume – WirtschaftsWoche

Bisher kannte die Kreuzfahrtindustrie nur ein Gesetz: Es gehen so viele Menschen auf Kreuzfahrt, wie es Platz auf Schiffen gibt. Verschrottet werden die Schiffe nur im Ausnahmefall, wenn es gar nicht anders geht, sagt Alexis Papathanassis, Professor für Kreuzfahrtmanagement an der Universität in Bremerhaven: „Solche Schiffe hat man an Sekundärmärkte verkauft und renoviert.“ Sie fuhren dann in anderen Gewässern unter anderer Marke weiter. „Aber seit Corona ist der Markt in der Krise“, so Papathanassis.

Die Pandemie traf die Kreuzfahrtindustrie gleich dreimal: Erst mehrten sich die Nachrichten von Ausbrüchen des Coronavirus auf einem Schiff, oft infizierten sich gleich hunderte von Passagieren. Dann mussten die Reedereien alle ihre Fahrten einstellen, noch heute verbieten einige Häfen die Anfahrt der Kreuzer. Und nun kämpfen die Unternehmen finanziell ums Überleben. Sie haben kaum Einnahmen, aber weiterhin Kosten für den Betrieb der Kreuzer, Crew und Kredite.

Größere Schiffe sind da von Vorteil, sagt Papathanassis: „Bei mehr Passagieren an Bord habe ich pro Person geringere Fixkosten.“ Mit Casinos, Bars und Spas unterhalten die Schiffe ihre Gäste – und bringen sie dazu, viel Geld auszugeben. Die Reedereien machen mittlerweile rund ein Viertel ihres Umsatzes an Bord, sagt Papathanassis. Die Bauweise von älteren Schiffen macht es schwer, diese Möglichkeiten auszuschöpfen. Auch technologisch haben sie Nachteile: Die Motoren sind weniger effizient und damit weniger umweltfreundlich.

Weil die Reeder aber nun mit finanziellen Problemen kämpfen, geben sie auch Schiffe in das Recycling, die sonst vielleicht noch einige Jahre weitergefahren wären. Zum Beispiel die Carnival Inspirationa: Nach nur 24 Jahren auf See wird auch sie in Aliağa auseinandergenommen.