Wissenschaft bestätigt Vorteile von Ferkelbalkonen – top agrar online

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Unsere Autoren: Jan Laves, Prof. Dr. Nicole Kemper, PD Dr. Michaela Fels, TiHo Hannover

In vielen Ferkelaufzuchtställen wird es allmählich eng, da die biologischen Leistungen im Sauenstall immer weiter steigen. Dabei wäre ausreichend Platz im Flatdeck wichtig. Denn verschiedene Studien zeigen, dass weniger Krankheiten auftreten, wenn jedes Ferkel genügend Platz hat.

Viele Sauenhalter würden ihren Aufzuchtstall gerne vergrößern und so für mehr Tierwohl sorgen. Eine Gebäudeerweiterung scheitert bislang aber oft an rechtlichen Hürden. Insbesondere das Baugesetzbuch hindert viele Landwirte daran, aktiv zu werden.

Als Alternative bietet sich derzeit der Einbau einer erhöhten Ebene im Abteil an. Die sogenannten Ferkelbalkone haben mehrere Vorteile:

  • Sie können unter anderem dazu beitragen, neue Funktionsbereiche in der Bucht zu schaffen. Das senkt die Stressbelastung für die Tiere und führt zu weniger aggressivem Verhalten.
  • Durch das „Obergeschoss“ in der Bucht steigt das Platzangebot, es wird zusätzlicher Liegeraum geschaffen, die Tiere haben mehr Ausweichmöglichkeiten und es bilden sich Mikroklimabereiche.
  • Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Zahl der Hautverletzungen sinkt.

Trotz der vielen Vorteile weigert sich der Gesetzgeber bislang, die Zusatzfläche, die ein Ferkelbalkon bietet, anzuerkennen. Auch das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellte Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) lehnt die Anrechnung auf die gesetzlich vorgeschriebene Mindestfläche ab. Kritiker werfen den Wissenschaftlern allerdings vor, sich überwiegend auf ältere Untersuchungen berufen zu haben.

Das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) hat das zum Anlass genommen, zu untersuchen, welche Vorteile Ferkelbalkone im Alltag bieten. Gefördert wurde das Projekt vom QS-Wissenschaftsfonds. Die Untersuchungen fanden in einem Praxisbetrieb statt. Die Ergebnisse sahen wie folgt aus:

Balkone locken Ferkel an

Die erhöhten Ebenen im Ferkelaufzuchtbetrieb waren bei den Ferkeln äußerst beliebt. Von 450 Aufzuchtferkeln, die in die Auswertung einflossen, wurden 445 Tiere mindestens einmal auf dem Balkon gesehen. Das entspricht einer Besuchsquote von fast 99%!

Die Balkone nutzten sowohl männliche als auch weibliche Tiere gleichermaßen. Mit zunehmendem Körpergewicht bzw. zunehmender Haltungsdauer besuchten die Ferkel die obere Etage häufiger. Das Ergebnis war signifikant. Die Videoauswertungen belegten, dass durch den Einbau eines Plateaus weniger Rangkämpfe stattfinden. Die Tiere waren insgesamt weniger aggressiv.

Über alle Beobachtungszeiträume hinweg nutzten im Mittel knapp 24% der Schweine einer Bucht die erhöhte Ebene gleichzeitig. Die Plateaus waren ein beliebter Treffpunkt. Auf der Plattform wurden in der dritten Aufzuchtwoche mehr Ferkel gleichzeitig beobachtet als zu Beginn bzw. zum Ende der Aufzucht. Die Ferkel gewöhnten sich nach dem Absetzen im Alter von vier Wochen also erst nach und nach an den zusätzlichen „Wohnraum“. Dementsprechend hielten sich in der dritten Woche gleichzeitig die wenigsten Ferkel unter dem Balkon auf, in der sechsten Woche wurde dort der höchste Anteil gemessen.

Weniger Hautverletzungen

Können sich die Ferkel aus dem Weg gehen, sinkt die Zahl der Auseinandersetzungen und somit die Verletzungsgefahr. Wie Übersicht 1 zeigt, führte der Einbau des Ferkelbalkons in der sechsten Aufzuchtwoche zu signifikant weniger Hautläsionen.

In der dritten Aufzuchtwoche gab es im Vergleich zur Kontrollgruppe ebenfalls weniger Hautverletzungen. Nur zu Beginn hatte die zweite Ebene keine Auswirkungen. Das dürfte vor allem daran gelegen haben, dass die Ferkel aufgrund ihres geringen Körpergewichtes in den Tagen nach dem Einstallen in die Bucht noch ausreichend Platz zum Ausweichen hatten.

Balkonferkel wachsen besser

Übersicht 2 zeigt außerdem,…